Bluthochdruck

Jeder vierte bis fünfte Erwachsene, der sich in ärztliche Behandlung begibt, leidet an Bluthochdruck (Hypertonie). Man unterscheidet zwischen sogenannter essentieller Hypertonie und sekundären Hypertonien. Bei der essentiellen Hypertonie ist die Ursache der Erkrankung unbekannt. Es kommen zahlreiche Faktoren in Frage; wie erbliche Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel, soziale und psychische Einflüsse, Streß. Die essentielle Hypertonie macht ca. 90 % aller Bluthochdruckerkrankungen aus und tritt meist nach dem 30. Lebensjahr auf. Bei den restlichen 10 %, also den sog. sekundären Hypertonien, ist der Bluthochdruck organisch bedingt.

Groß ist die Zahl unbekannter Erkrankungsfälle, da bei beginnendem Bluthochdruck Beschwerden oft kaum vorhanden oder untypisch sind. So können nur vorsorgliche Blutdruckmessungen der stummen Gefahr des Bluthochdrucks begegnen. Blutdruckwerte werden in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen. Der höhere Wert steht immer an erster Stelle und gibt den sog. systolischen Blutdruck an. Dies ist der Druck, der bei Zusammenziehen des Herzmuskels und Austritt des Blutes aus den Herzkammern vorliegt. Der niedrigere, sog. diastolische Wert bezeichnet den Druck, der bei Erschlaffen des Herzmuskels und Blutfüllung der Herzkammern herrscht.

Als Grenzwert des normalen Blutdrucks ist von der Weltgesundheitsorganisation 140/90 mmHg festgelegt worden. Neuerdings werden aber noch niedrigere Werte zwischen 130-120/80 mmHg gefordert. Werte ab 160/95 mmHg gelten als Bluthochdruck und müssen unbedingt behandelt werden. Denn Bluthochdruck rangiert neben den Fettstoffwechselstörungen als Risikofaktor der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) an erster Stelle. Am meisten belastet der Bluthochdruck die Gefäße des Gehirns, des Herzens und der Nieren. Häufigste Folge von Bluthochdruck sind Schlaganfall und Herzinfarkt. Am gefährlichsten ist der Bluthochdruck in Kombination mit Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten, Zuckerkrankheit (Diabetes) und Rauchen.

Zahlreiche Medikamente zur Blutdrucksenkung sind auf dem Markt und die Pharmaindustrie entwickelt immer neuere und teurere Produkte. Liest der Patient die Information über eventuelle Nebenwirkungen im Beipackzettel, landet die Medikamentenschachtel häufig unangebrochen in der Schublade. Ist die Einnahme eines blutdrucksenkenden Medikamentes unumgänglich, sollte der behandelnde Arzt die möglichen Nebenwirkungen ausführlich erläutern und den Patienten engmaschig in der Therapie begleiten. Es gibt jedoch neben der medikamentösen Behandlung eine Reihe anderer Möglichkeiten, den Bluthochdruck zu behandeln oder die medikamentöse Behandlung zu unterstützen.

Wichtig ist u.a. eine kochsalzarme (natriumchloridarme) Ernährung. Langfristig hoher Kochsalzkonsum fördert die Entwicklung einer essentiellen Hypertonie. In Ländern mit geringem Salzgenuß ist Bluthochdruck fast unbekannt. Bei der Bemühung, die Kochsalzzufuhr zu reduzieren, ist zu berücksichtigen, daß Salz nicht nur aus dem Salzstreuer kommt. Ein nicht unerheblicher Teil der täglichen Kochsalzaufnahme resultiert aus Nahrungsmitteln, die bereits mit Kochsalz versehen sind. Die Salzzufuhr sollte insgesamt auf ca. 3-5 g/Tag beschränkt werden. Zum Würzen sollten statt Salz frische Kräuter, Zitronensaft,

 

Rohzwiebel, -knoblauch und Gewürze benutzt werden. Gesalzene Käse sollten durch frisch zubereitete Quarkspeisen ersetzt werden. Als Getränke empfehlen sich natriumarme Mineralwässer und Kräutertees. Kaffee sollte auf kleine Mengen beschränkt werden oder ganz ausgelassen werden: Eine Tasse Kaffee erhöht den Blutdruck durchschnittlich um 10 mmHg für ein bis drei Stunden! Auf Fleisch- und Wurstwaren sollte ebenfalls verzichtet werden. Die Ernährung entspricht idealerweise einer Vollwertkost mit viel Gemüse, Obst und Rohkost. Auch kaliumreiche Früchte wie Aprikosen, Bananen, Feigen und Datteln (auch als Trockenobst) haben eine blutdrucksenkende Wirkung. Übergewichtige Patienten mit Bluthochdruck können allein schon durch Gewichtsabnahme unter ärztlicher Aufsicht ihren Blutdruck deutlich senken.

Spätestens seit Pfarrer Kneipp sind Wasseranwendungen als blutdrucksenkende Therapie bekannt. Gleich morgens kann jeder damit beginnen: Wechselduschen mit anfangs kühlem, später kaltem Abguß, täglich kühlen Ober-, Unterkörper- oder Ganzwaschungen. Wechselfußbad oder Wechselknieguß und 1-2 mal wöchentliches Wassertreten sind ebenfalls zu empfehlen.

Bei streßbedingtem Bluthochdruck helfen Entspannungsverfahren wie Akupunktur, Yoga, Meditation, autogenes Training und progressive Muskelentspannung. Der Bluthochdruckkranke sollte leichte Ausdauersportarten wie Walking und Radfahren ausüben. Auf Leistungsdruck muß verzichtet werden! Sportarten, bei denen es zur Preßatmung kommt (z. B. Krafttraining und Kegeln), sind zu vermeiden, da sie zu Blutdruckspitzen führen.

Zu guter Letzt gibt es noch pflanzliche Präparate zur Blutdrucksenkung: Melisse und Baldrian wirken beruhigend. Schlangenwurzel wirkt blutdrucksenkend und beruhigend. Auch hier müssen jedoch Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten beachtet werden! Weissdorn unterstützt die Herzleistung, verbessert die Durchblutung des Herzens und wirkt gefäßerweiternd, so daß auch eine blutdrucksenkende Wirkung vermutet wird. Gegenanzeigen, Neben- und Wechselwirkungen sind hier nicht bekannt.

Trotz einer Reihe von Maßnahmen, die der Patient selbst zu einer erfolgreichen Blutdrucksenkung beitragen kann, gehört der Bluthochdruckkranke in regelmäßige ärztliche Behandlung. Hier kann die Wahl der richtigen Therapie getroffen und die dringend notwendige Verlaufskontrolle durchgeführt werden, um lebensgefährdende Folgeerkrankungen frühzeitig zu vermeiden.

 

Dr. med. Sabine Eversheim

Fachärztin für Allgemeinmedizin • Ärztin für Naturheilverfahren • Ärztin für Akupunktur • Reisemedizin

Limburger Str. 1 a
61462 Königstein

Telefon: (0 61 74) 96 88 96
Fax: (0 61 74) 96 88 98
praxis@eversheim.de